Aktuelles zum Nahostkonflikt

Muslim§Recht vom 24.8.: Der Bogyman – Die andere Macht in Israel

Als der neue Generalstabschef, der Luftwaffengeneral Dan Halutz, seinen neuen Job übernommen hat, stand ich mit einer Gruppe Demonstranten am Tor des Generalstabsgebäudes, um gegen seine Berufung zu demonstrieren.

Unser Slogan war: „Sie haben Blut an ihren Flügeln!“ – eine Erinnerung an seine Bemerkung, nachdem die Luftwaffe eine Ein-Tonnen-Bombe in ein Wohngebiet in Gaza fallen ließ, um den Hamasführer Salah Shehadeh zu töten. Wie man sich erinnert, tötete die Bombe auch 14 unbeteiligte Menschen, einschließlich neun Kinder.

Als Haluz damals gefragt wurde, was er nach dem Abwurf einer Bombe empfinde, antwortete er: „Ein leichter Schlag am Flügel.“ Er fügte noch hinzu, daß er danach gut schlafe. Ich denke nicht, daß eine Person, die sich so äußert, der oberste Kommandeur unserer Armee sein sollte.

Deutschlandradio vom 16.8.: Politischer Rollentausch im Theater

Das Theaterstück „Plonter“, hebräisch für „Verwicklung“, sorgt in Tel Aviv für Aufsehen. Nicht nur, dass die Zuschauer am Einlass zum Theater wie an einem Checkpoint kontrolliert werden und so unfreiwillig in die Rolle der Palästinenser schlüpfen. Auch die Schauspieler schlüpfen in fremde Rollen: Ein Palästinenser spielt einen jüdischen religiösen Siedler, ein Israeli einen palästinensischen Selbstmordattentäter.

Deutschlandradio vom 15.8.: „Es ist zu spät“

Die seit 20 Jahren in Jerusalem lebende Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff glaubt nicht, dass die Evakuierung einiger Siedlungen im Westjordanland zur Lösung des Nahost-Konflikts beiträgt. Die politische Maßnahme käme zu spät, sagte sie gegenüber Deutschlandradio Kultur.

Schrobsdorff: Nein, es ist kein schöner Tag. Ich war von mir selber überrascht. Ich habe gestern im Fernsehen Nachrichten gesehen, da zeigt man immer die sensationellsten Bilder, das weiß ich, aber es war schon ziemlich scheußlich, der eine zieht seinen Palmbaum aus der Erde, um ihn unter dem Arm mitzunehmen, und wenn die anderen anfangen zu zerstören, finde ich das nicht mehr komisch. Wissen Sie, ich hasse die Siedler aus ganzem Herzen, ich habe sie gehasst, wenn sie durch Jerusalem durch die Straßen gingen, Maschinengewehr auf der einen Seite, auf der Schulter das Kind, Käppchen auf dem Kopf, Kinderwagen vor sich her, ich hasse das. Wir können nicht sagen, sie haben Furchtbares angestellt, es sind hauptsächlich wieder mal die Politiker. Das ist ja gar nicht nur der rechte Likud. Die Arbeiterpartei hat vor Jahren damit begonnen, das Land zu besiedeln. Als ich das erste Mal hörte, Großisrael, das war im Jahre, ich glaube, 1972, da sprach man davon. Es ist doch eine Tatsache, dass man das immer angestrebt hat.

Deutschlandradio vom 12.8.: Villengrundstücke in bester geschützter Lage

Im Schatten des israelischen Abzuges aus dem Gaza Streifen, jenseits aller Schlagzeilen um den Machtkampf zwischen Hamas und Al Fatah wird allen abwesenden Fernsehkameras zum Trotz gerade dieser Tage auf Hochtouren in der Westbank Politik gemacht. Mit Bulldozern und Betonmischmaschinen, mit Kränen und mit Gartengrün und mit Anzeigen im Immobilienteil der Tageszeitungen Israels. Nie war das traute Eigenheim mit Panoramablick und Sicherheit so günstig zu erwerben. Und damit verändert sich das Bild der Siedler, die hierzulande immer noch als orthodox, gewaltbereit und staatsfern angesehen werden.

Deutschlandfunk vom 26.7.: Jüdische Fanatiker und islamische Gotteskrieger Im Nahen Osten tobt zurzeit eine Art Dreifrontenkrieg: Der Dauerkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern spitzt sich wieder zu, die radikale Hamas macht Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas das Leben schwer und in Israel versetzt die Siedlerbewegung mit geschickt inszenierten Massenprotesten gegen den Rückzug aus dem Gaza-Streifen das Land immer wieder in den Ausnahmezustand. Welche Ziele verfolgen die Extremisten, wie groß ist ihr Einfluss und – welche Möglichkeiten gibt es, sie einzubinden?

Es war eine ausgelassene Feier in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland am 15. September 2003. Die israelischen Sicherheitsbehörden hatten ein halbes Dutzend Häftlinge freigelassen. Es waren jüdische Häftlinge, Anhänger des im Jahr 1990 ermordeten rechtsextremen Rabbiners Meir Kahane. Auch nach wochenlangen Ermittlungen und harten Verhören konnte ihnen keine Beteiligung am jüdischen Untergrund nachgewiesen werden. Drei andere Männer aus der Siedlung Bat Ayin dagegen wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten zugegeben, dass sie versucht hatten, eine Bombe in einer muslimischen Mädchenschule in Ostjerusalem zu zünden. Mit dem Anschlag wollten sie Rache nehmen für palästinensische Attentate gegen Israelis.

TAZ vom 10.8.: Mit Masken und Hühnermist

In dem kleinen Dorf Bil’in finden freitags keine Hochzeiten mehr statt. Ein junges Paar hat es ein letztes Mal versucht, dann sind Soldaten gekommen und haben die Feier mit Tränengas aufgelöst. Seit gut sechs Monaten wird in Bil’in jeden Freitag demonstriert – gegen den Sperrzaun, den das israelische Verteidigungsministerium bauen lässt.
Mohammed Khatib blickt vom Balkon im ersten Stock seines fast fertig gebauten Hauses auf das etwa 30 Kilometer südöstlich von Tel Aviv gelegene palästinensische Dorf. „An klaren Tagen kann man von hier aus bis zum Mittelmeer sehen“, sagt er. Da gewesen ist er selbst noch nie. Nur ein schmaler karger Landstreifen erstreckt sich hinter den letzten Häusern. „Dort hinten liegt Modi’in Illit“, sagt Mohammed und zeigt auf eine jüdische Kleinstadt, die nur wenige Kilometer entfernt liegt. Früher lagen dort die Olivenhaine seines Vaters. „Ich bin unter einem Baum geboren“, sagt der 31-Jährige lächelnd und erzählt von seiner Mutter, die bis zum Einsetzen der Wehen bei der Ernte half. Seine Kindheit habe er in dem Hain verbracht. „Vor vier Jahren wurde mein Baum gefällt“, erinnert sich Mohammed, um Platz zu machen für die Häuser der jüdischen Siedler. „Meine Kinder spielen dort nicht mehr.“

Der Standard vom 6.8.: Ex-Ministerin Aloni: „Israelischer Terror ist schlimmer als der palästinensische“­

„(Premier Ariel) Sharon ist ein großer, arroganter Nationalist. Er leidet unter Megalomanie und es ist ihm gleichgültig, die Leben von anderen zu opfern, wie dies bei der Invasion in den Libanon geschehen ist“, so die nicht unumstrittene linksliberale Politikerin Aloni. „Sharon und die israelische Führung versuchen immer, die Israelis die Lüge glauben zu machen, dass die Palästinenser uns ins Meer treiben wollen“, sagte sie. „Tatsächlich sind wir diejenigen, die Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit begehen und ich hoffe, dass Sharon vor Gericht kommt.“

Weitere Infos findet ihr hier http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54655/nahost

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